• Rene Jacobs, Mozart, Entführung aus dem Serail

Rene Jacobs / Mozart

»Entführung aus dem Serail«
»Welche Wonne, welche Lust« singt die Zofe Blonde, die Konstanze die freudige Nachricht von Belmonte’s Ankunft überbringen darf. Die gleichen Hochgefühle hatte ich beim Hören dieser Aufnahme. Wie Rene Jacobs schreibt, versucht er schon in seiner Da Ponte-Trilogie die v.a. im 19.Jhdt üblichen Veränderungen oder Retuschen zu beseitigen bzw. kritisch zu überprüfen, um damit die ursprünglichen Farben wieder zum Vorschein zu bringen. Dies zeigt er auf vortreffliche Art und Weise in dieser Aufnahme. Er kritisiert die oftmalige Verstümmelung der Sprechdialoge und stützt sich auf die Ursprünge und die frühen Interpretationen der Hauptautoren. Die Dialoge lässt er hierbei so zeitgemäß wie möglich klingen, was wiederum die Aktualität des Stückes unterstreichen und sich zugleich gegen jegliches Klischeedenken entgegensetzen soll, welches dem christlichen, aufgeklärten Europa eine rückständige islamische Welt gegenüberstellt. Ganz nach den Vorgaben von Mozart sucht Jacobs nach musikalischen Überschneidungen von gesprochenen und gesungenen Dialogen, um die Gegensätze aufzulösen und dadurch beides aufzuwerten. Das Ergebnis ist ein Fluss aus Musik und Wort. Dieses fließende Hörerlebnis drückt sich nicht zuletzt in einem ganz aufeinander bezogenen Ensemble aus. Das glänzend und einfühlsam spielende Orchester fließt mit den Singstimmen und umgekehrt. Dadurch entsteht eine solche Lebendigkeit des musikalischen Ausdrucks, welcher das Herz höher schlagen lässt. Neben den sehr guten Sängerinnen, hat mich besonders Maximilian Schmitt als Belmonte berührt oder auch Julian Pregardien als Predillo, der über eine sehr natürlich klingende Stimme mit erstaunlicher Ausdrucksvielfalt verfügt und einen regelrecht gefangen hält.

Auch bei dieser Aufnahme begibt sich Rene Jacobs mit musikwissenschaftlicher Akribie und großer Leidenschaft auf die Suche nach den historischen Wurzeln dieser Musik und setzt dies in aller Frische und Lebendigkeit um. Zusammengefasst ein Hörerlebnis der besonderen Art. Fast als wäre man bei einer Weltpremiere des Stückes dabei gewesen.  

2CD/Harmonia Mundi

About the Author:

Andreas Wolz
Andreas Wolz Schwerpunkt: Klassik Vor über 20 Jahren entdeckte ich beim Hören von Bellinis Norma mit Maria Callas meine Leidenschaft für die Oper und für die klassische Musik.