»Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.«

Joseph von Eichendorff

Kaum ein anderes Gedicht eignet sich besser, um sich der Musik von Marie Louise mit ihrem Gesang voller Poesie anzunähern. Genau wie in dem Eichendorff-Gedicht sind auch ihre Lieder auf ihrem aktuellen Album »Sleepless« getragen von Sehnsucht und Traum. Auch sie verzaubert uns wieder mit ihren ganz eigenen Melodien und den diesmal in deutsch, englisch und spanisch gesungenen Liedern. Sie nimmt uns mit auf eine Reise voller verborgener Poesie zwischen Traum und Wirklichkeit. Schon in ihrem jazzig angehauchten Titelsong »Sleepless« nimmt sie uns mit ihrer warmen und in die Tiefe gehenden Stimme, die von Liebesschmerz, Trauer und Melancholie erzählt, mit in die nächtliche Welt zwischen Wachen und Schlafen, um uns am Ende des Liedes mit einem kräftig gesungenen »Wake Up« aus diesem Dämmerzustand zu erlösen.
In einem anderen Lied »Baptism« begleitet sie uns mit allen Lullabies dieser Welt in den Schlaf und jagt alle bösen Monster unter unseren Betten fort. Und während sie die Worte »I will keep you warm and safe« singt, hat man den Eindruck, musikalisch vom Rauschen des Meeres beruhigt zu werden.
In anderen Liedern entführt sie uns nach Guatemala, einem Land mit dem sie sich sehr verbunden fühlt. Ein Instrumentalstück, das ihr Gitarrist für sie komponierte und sie an ihre Reisen dorthin erinnerte, trägt den Titel K’at, einen aus dem Maya Kalender stammender Begriff, den man als Schutzwesen übersetzen kann. An diesem Kalendertag können sowohl alle Lebenshindernisse und Probleme gelöst als auch alle Krankheiten geheilt werden.
Bei ihrem spanisch gesungenen Lied „Hoy“ fühlt man sich sofort in die Straßen von Antigua versetzt und badet in kräftigen, lebensfrohen Farben. Sie zeigt uns mit ihren Melodien und ihrer verzaubernden Poesie eine Entgrenzung in eine Freiheit auf, die im Traum und auf Reisen geschehen kann.
Mit geschlossenen Augen kann man sie sich fast als eine Maya-Priesterin vorstellen, die den bunt gefiederten, heiligen Vogel Quetzal als Symbol der Freiheit in den Händen trägt, um diese heilsamen Farben des Lebens allen Menschen zu schenken. Und die Welt hebt an zu singen…
mit ihrer Musik und ihrer Poesie trifft sie das Zauberwort.

Ihr Traum, dieses Album live einzuspielen, ging in Erfüllung. Ihr war es wichtig, mit ihren Mitmusikern Blickkontakt zu haben, um diesen ganz besonderen Moment des gemeinsamen Musizierens festzuhalten. Genau dies ist auf diesem wundervollen Album zu hören.
Der georgische Gitarrist Zura Dzagnidze, die polnische virtuose Vibrafonistin Kasia Kadlubowska und der Stuttgarter Bassist Fabian Wendt tragen mit einer äußerst einfühlsamen und ganz besonderen klangmalerischen Instrumentierung dazu bei, dass dieses Album so einzigartig ist.
Die Sprache, die Poesie wird zur Musik und umgekehrt. Danke Marie Louise!